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MARTIN WALSER

Einleitung

Martin Walser

Inhalt

Martin Walser, geboren am 24. März 1927 in Wasserburg und im Alter von 96 Jahren am 26. Juli 2023 in Überlingen-Nussdorf gestorben. Er war deutscher Schriftsteller und Ehrenbürger der Gemeinde Wasserburg. Er wurde bekannt durch seine Darstellung innerer Konflikte der Antihelden in seinen Romanen und Erzählungen. Ein immer wiederkehrendes Motiv Martin Walsers war das Scheitern am Leben. Walsers Helden tragen meist einsilbige Nachnamen („Dorn“, „Halm“, „Zürn“, „Lach“), und sie sind den Anforderungen, die ihre Mitmenschen oder sie selbst an sich stellen, nicht gewachsen. Der innere Konflikt, den sie deswegen mit sich austragen, findet sich in allen großen Walser-Romanen wieder. Dass die Kämpfe nur in der Seele seiner Helden brodeln, während die äußere Handlung meist Nebensache bleibt, macht Martin Walser zu einem typischen Vertreter der deutschen Nachkriegsliteratur (wie Heinrich Böll, Peter Handke oder Siegfried Lenz) und setzt ihn im Gegensatz zur angelsächsischen Literaturtradition, in der das Vorantreiben einer äußeren Handlung weit bedeutender ist.

Einleitung

Lebenslauf

Inhalt

24. März 1927: Martin Walser wird in Wasserburg (Bodensee) als Sohn eines Gastwirtes geboren.

1938-1943 Besuch der Oberschule in Lindau.

1943-1945 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg, zunächst als Flakhelfer, danach im Arbeits- und Wehrdienst.

1946 Abitur in Lindau.

1946-1951 Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie in Regensburg und Tübingen. Promotion mit einer Arbeit über Franz Kafka.

1949-1957 Reporter, Regisseur und Hörspielautor beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart.
In dieser Zeit unternimmt Walser für Funk und Fernsehen Reisen nach Italien, Frankreich, England, Polen und in die CSSR.

1950 Heirat mit Katharina Neuner-Jehle.

1953 Walser wird Mitglied der „Gruppe 47“. Dieser Zusammenschluss von Schriftstellern und Publizisten setzt sich für ein neues, demokratisches Deutschland ein und bestimmt das Bild der westdeutschen Literatur bis in die 60er Jahre hinein.

1955 Das literarische Schaffen Walsers wird mit Erscheinen des Erzählungenbandes „Ein Flugzeug über dem Haus“ erstmals von der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Preis der Gruppe 47 für die Erzählung „Templones Ende“.

1957 Walser lebt und arbeitet fortan als freier Schriftsteller am Bodensee.
Für seinen ersten Roman, „Ehen in Philippsburg“, wird Walser mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet.

1958 Dreimonatiger USA-Aufenthalt. Teilnahme am Harvard-International-Seminar.

1960 Veröffentlichung des Romans „Halbzeit“, des ersten Teils der Anselm-Tristlein-Trilogie.

1961 Walser startet als erster Publizist in der Bundesrepublik eine Wahlinitiative für die SPD.

1962 Uraufführung des Dramas „Eiche und Angora“. Auszeichnung mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis.

1966 Veröffentlichung des zweiten Teils der Anselm-Tristlein-Trilogie: „Das Einhorn“.

1973 Abschluß der Anselm-Tristlein-Trilogie mit dem Roman „Der Sturz“.

1975 Uraufführung des Stückes „Das Sauspiel“ in Hamburg.

1978 Veröffentlichung der Novelle „Ein fliehendes Pferd“, die die Problematik der Midlife-Crisis schildert.

1979 Veröffentlichung des Romans „Seelenarbeit“.

1981 Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis.
Veröffentlichung der Frankfurter Poetik-Vorlesungen unter dem Titel „Selbstbewußtsein und Ironie“.

1983 Viermonatiger USA-Aufenthalt als Gastdozent an der University of California, Berkeley.

1984 Ernennung zum Ehrenbürger in seiner Heimatgemeinde Wasserburg am Bodensee

1985 Veröffentlichung des Romans „Brandung“.

1987 Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz.

1988 November: Bei einem Auftritt in der Reihe „Reden über das eigenen Land: Deutschland“ erregt Walser mit dem Bekenntnis Aufsehen, daß er sich mit der deutschen Teilung nicht abfinden könne.

1990 Auszeichnung mit der Carl-Zuckmayer-Medaille, dem Ricarda-Huch-Preis und dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

1991 Veröffentlichung des Romans „Die Verteidigung der Kindheit“, dessen Thema in direkter Beziehung zur deutschen Einheit steht. Walser verbindet in diesem Roman die politische Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der aus ihm folgenden deutschen Teilung mit der Lebensgeschichte des Alfred Dorn, einem der typischen Walserschen Antihelden.

1993 Veröffentlichung des Familienromans „Ohne einander“.
Auszeichnung mit dem Orden „Pour le mérite“.

1996 Veröffentlichung des Romans „Finks Krieg“, der den deutschen Politikalltag beleuchtet und dem eine reale Auseinandersetzung in der hessischen Staatskanzlei („Affäre Gauland“) zugrundeliegt.

1997 Anläßlich des 70. Geburtstags Walsers bringt der Suhrkamp Verlag eine große Werkausgabe in 12 Bänden heraus.

1998 Veröffentlichung des Romans „Ein springender Brunnen“.

11. Oktober 1998: Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede kritisiert Walser die „Instrumentalisierung“ von Auschwitz und behauptet, die permanente Thematisierung des Holocaust erziele letztlich den Effekt des Wegschauens. Die Rede löst eine öffentliche Kontroverse mit Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, aus.

12. Oktober 1998: Bubis wirft Walser „geistige Brandstiftung“ vor.

26. November 1998: Erste öffentliche Stellungnahme Walsers zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er betont, nicht von einem unter die Geschichte zu ziehenden „Schlußstrich“ gesprochen zu haben.
In der weiteren Debatte wirft Bubis Walser und dem früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (geb. 1928), der den Schriftsteller verteidigt hat, „latenten Antisemitismus“ vor.

12. Dezember 1998: Walser und Bubis treffen sich zu einem Gespräch, in dem sie den Streit um Walsers Friedenspreisrede beilegen. Bubis nimmt den Vorwurf der „geistigen Brandstiftung“ zurück, betont aber die Missverständliche der Walserschen Äußerungen, wohingegen Walser auf der Unmißverständlichkeit seiner Rede besteht. Übereinstimmung finden beide in der Auffassung, daß für den Umgang mit der deutschen Vergangenheit noch keine angemessene Sprache gefunden sei.

Januar 1999: Die deutschen Buchhändler wählen Walser zum „Autor des Jahres 1998″.

2002: Julius-Campe-Preis

2002: Alemannischer Literaturpreis

2005: Oberschwäbischer Kunstpreis

2006: Finalist für den Deutschen Buchpreis: Angstblüte

2008: Corine-Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten, für sein Lebenswerk

2009: Weishanhu-Preis vom The People’s Literature Publishing House China

2010: Preis der Deutschen Gesellschaft e. V. für Verdienste um die deutsche und europäische Vereinigung.

2015: Internationaler Friedrich-Nietzsche-Preis für sein Lebenswerk

26. Juli 2023: gestorben im Alter von 96 Jahren in seinem Zuhause in Nussdorf, in einem Stadtteil von Überlingen am Bodensee.

30. Juli 2023: Beisetzung in seinem Geburtsort Wasserburg am Bodensee

Martin Walser war bis zuletzt unermüdlich produktiv. Auch in seinem letzten Lebensabschnitt „legte“ er Jahr für Jahr einen neuen Roman vor.

Sonderausstellung im Museum im Malhaus

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