Skultpurenausstellung in Wasserburg am Bodensee

Zeitgenössische Kunst am Bodenseeufer, auf den Plätzen im Dorf und in Innenräumen – seit vielen Jahren ist die Skulptura ein wichtiger Teil des kulturellen Angebots in Wasserburg am Bodensee.

In diesem Jahr stellen zehn bekannte Künstlerinnen und Künstler aus, die sich dem Thema Skulptur eher abstrakt nähern. Selbst dann, wenn der Betrachter Gegenständliches zu erkennen glaubt, wird seine Fantasie angeregt und das Weiterdenken wird angestoßen.

Kunst für Menschen ohne Berührungsangst.

Beate Debus

Über jahrzehntelange kontinuierliche Arbeit reduzierte Beate Debus ihre vielfach gewundenen, Innenräume und Durchbrüche erzeugenden menschlichen Figuren zu monumentalen, die Materialität betonenden und zugleich über diese hinausweisenden Torsi bis hin zu fast geometrischen Körpern und gelangte zu einer individuellen Handschrift. Die kubistisch  abstrahierten Werke lassen menschliche Gesten und Haltungen erahnen, die stets am Anfang ihres bildnerischen Gestaltens stehen. Ein zentrales Thema sind die Polaritäten der inneren
Seinszustände: Der helle Teil, der die Bodenerdung bedeutet, und das schwarze Element, das Bewegung ausdrückt und den Körper umspielt.

Egon Digon

Die Werke sind Zeichen eines menschlichen Bedürfnisses nach Freiheit.

Bei meiner Arbeit streichele ich das Material solange, bis die Form erscheint, die erscheinen will. Ich suche nach möglichst vielen künstlichen Formen, die unsere sterile und synthetische Welt repräsentieren. Solche Formen sind immer auch Zeichen eines tiefen menschlichen Bedürfnisses nach Freiheit!

ROLF HAMLEH

Seine Figuren werden zu einer hingezeichneten Chiffre im Raum.

Metall erfährt unter seiner Regie eine künstlerische Verwandlung der totalen Art. Seine Figuren sind gertenschlank, folgen in Proportion und Gestik einer überdehnten Körpersprache und werden dadurch zu einer hingezeichneten Chiffre im Raum. Er setzt die Körpersprache als Ausdrucksmittel ein und mit zeichnerischer Leichtigkeit spielt er mit der Ambivalenz von Schwere und Eleganz. Seine Arbeiten haben Kraft und erscheinen als skulpturale Wesen zwischen Archaik und Moderne.

ULRICH HOCHMANN

Das Wesen, das gleichsam scheinbar eine Leichtigkeit des Steins suggeriert.

Die reduzierte, bisweilen seriell technoid anmutende Formensprache gerade in seinen jüngst entstandenen Skulpturen führt eine Kunstauffassung vor Augen, die mir im Umfeld seiner Bildhauergeneration als eine ganz besondere scheint. Ulrich Hochmann fungiert nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Experimentator, der die Nähe seiner Betrachter sucht und deren Wahrnehmung, sei sie visueller oder auch haptischer Art, intensiv untersucht. Dafür dient ihm das mobile Wesen seiner Steinarbeiten, das gleichsam scheinbar eine Leichtigkeit des Steins suggeriert. Eine ungewohnte, wenngleich radikale Ästhetik tut sich auf und kommt, wie erwähnt, dem Bedürfnis der Verschmelzung von Kunst und Leben eindrucksvoll nahe.

EGIDIUS KNOPS

Geometrische Elemente bilden die Basis seines bildhauerischen Formenkanons.

Knops fertig seine Skulpturen aus Chromnickelstahl. Die Oberfläche der geschweißten Skulpturen schleift und poliert der Künstler und verwandelt sie zu rhythmischen, manchmal spielerisch wirkenden abstrakten Kompositionen. Das Verwenden der Primärfarben rot, gelb und blau sowie der Raum zwischen den Formen verstärkt das Moment des Spielerischen. Geometrische Elemente bilden die Basis seines bildhauerischen Formenkanons. Komponiert werden diese strengen Formen mit organischen Elementen und Linien aus Chromnickelstahl,
die in Wellen die Kantigkeit umspielen. Die polierte Oberfläche, die das Licht reflektiert und streut, unterstreicht den räumlichen Charakter

GERRY MAYER

All dies in Metall zu gießen, ist transzendentes, magisches Erleben.

Die Darstellung des Menschen, die Sinnlichkeit, die Spannung, die er mit Blicken, Gesten oder einer Körperhaltung manifestiert – Oberflächen und Strukturen zu komponieren, Gefühle zu formen und in klingende Symphonien zu verwandeln – Abstraktion als Essenz der exzessiven Beschäftigung mit dem Realen – all dies in Metall zu gießen, ist transzendentes, magisches Erleben, ein Gefühl, die Endlichkeit und deren Absurdität überwunden zu haben.

MARC REIST

Er spürt die Korrelationen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos auf.

Marc Reist ist ein Naturwissenschaftler unter den Künstlern. Er geht von der Beobachtung der Natur aus, setzt sich mit ihren Materialien auseinander, mit deren Struktur und deren Beschaffenheit, mit deren Ursprung und deren Potential. Er spürt die Korrelationen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos auf, denn seine weltanschauliche Überzeugung lautet, dass es eine Verwandtschaft aller Existenzen gibt.

HANS RUCKER

Er breitet im Positiv- Negativ-Wechsel ein räumliches Inneres aus.

Eine einschneidende und wesentliche Erfahrung für Hans Rucker war das […] Stipendium in der Villa Massimo. „In Rom kam ich auf die Wölbungen“ sagte er und meint damit zugleich ein Denken in plastischen Zusammenhängen, in wellenartigen Verläufen und gerundeten Entsprechungen. Wo er organische Formen aus dem geöffneten Block hervortreten läßt, breitet er im Positiv-Negativ-Wechsel ein räumliches Inneres aus. Es sind Formen und Prinzipien des Körperlichen, plastische-tektonische Elemente, die sich aus den Wölbungsrelationen des menschlichen Körpers entwickeln. Sie bilden Übergänge und sind zugleich Sinnbilder von Zusammenhängen. (Zitat Reinhard Müller-Mehlis)

RÜDIGER SEIDT

Stets erspürt man die Gliederungsfunktion der Skulptur im Raum.

Das Tetraeder-Prinzip rückt den Künstler ein wenig in die Nähe der mathematisch-geometrisch operierenden Konkreten Kunst. Zur mathematischen Nüchternheit kommt jedoch eine poetisch-phantastische Nuance. […] Rüdiger Seidt setzt seine Vorstellungen mit großer Selbstverständlichkeit und ganz intuitiv um. Stets erspürt man die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten, besonders die Gliederungsfunktion der Skulptur im Raum, bevor man mit dem Verstand erfasst, was diese feinen Arbeiten eigentlich beinhalten und woher sie ihre Kraft beziehen. Handwerkliches Geschick und die künstlerische Kraft aus dem verborgenen Inneren, die Intuition und das Verständnis für das Ästhetische gehen in den Arbeiten eine formvollendete Verbindung ein.

FRANK TEUFEL

In diese spannungsgeladenen Linien forme ich den Stein.

Lineare Zeichnungen liegen meinen Entwürfen zugrunde. In diese spannungsgeladenen Linien forme ich den Stein und verleihe ihm scheinbare Bewegung und Leichtigkeit. Mit der Reduktion auf klar abstrahierte Formen sollen meine Werke zu eigenen Interpretationen einladen. Meine Oberflächen zeugen vom Umgang mit dem Material und lassen die Spuren der Arbeit sichtbar.